Forderungen von Darmstädter Schüler_innen

22.01.2010

Unsere Forderungen wurden von einer Gruppe Darmstädter Schüler_Innen gesammelt und ausgearbeitet.

Grundlegend für unsere Forderungen ist ein freier selbstbestimmter Bildungsbegriff, den wir hier kurz anreißen:
Unserer Meinung nach ist Bildung ein Prozess, der elementar für das ganze Leben ist.
Bildung ist für uns nicht nur das Anhäufen von möglichst viel Allgemeinwissen, sondern auch das Erlernen der Fähigkeit zur kritischen Reflexion über die eigene Person und die Gesellschaft.
Bildung ist auch das Bilden eines mündigen Bürgers mit eigener Meinung, die er auch vertritt. Wirklich freie Bildung ist mit dem Kapitalismus nicht vereinbar. Für freie Bildung braucht man eine freie Gesellschaft!
Unsere Forderungen befinden sich in ständiger Entwicklung, deshalb ist dieser Text nur eine Momentaufnahme.
Ein weiteres Problem beim Ausarbeiten der Forderungen war, dass wir der Meinung sind, dass das gesamte Bildungssystem von Grund auf neu strukturiert werden muss.
Da wir aber nicht nur Maximalforderungen stellen wollten, haben wir auch einige Forderungen, die innerhalb des jetzigen Systems ohne Schwierigkeiten und umgehend umgesetzt werden können. Um nicht zu sehr auszuschweifen, haben wir viele Forderungen, die alle Menschen betreffen, auf die Schüler_Innen beschränkt.
Deshalb haben wir längerfristige und konkrete Forderungen getrennt aufgeschrieben.

Konkret fordern wir:

Absolute Lehrmittelfreiheit:
Bildung hängt momentan sehr stark vom Geldbeutel der Eltern ab.
Deshalb fordern wir absolute Lehrmittelfreiheit, das heißt z.B. Abschaffen von Kopierkosten und die Möglichkeit zu kostenlosen Unterrichtsmaterial.

Keine Kameraüberwachung an Schulen:
Wir wollen, dass Schule ein Ort ist an dem man sich wohlfühlt und nicht unterdrückt und überwacht wird.

Mehr Mitspracherecht der Schüler_Innen:
Wir fordern ein Wahlrecht der Schüler_Innen in den Fachkonferenzen.

kritischer Unterricht:
Um sich eine eigene Meinung zu bilden ist es wichtig kritisch über das System und die Gesellschaft zu diskutieren. Deshalb brauchen wir dringend eine sinnvolle Überarbeitung der Lehrpläne.
z.B. die Pariser Kommune in Geschichte durchnehmen, alternative Wirtschaftssysteme in Politik und Wirtschaft.

Freie Fächerwahl in der Oberstufe und in der Abiturprüfung:
Wir lehnen die unterschiedliche Gewichtung der Fächer ab. Wir sind der Meinung, dass die Schüler_Innen selbst entscheiden können welche Fächer sie interessieren und für sie am wichtigsten sind.
In Mathe und Deutsch sollten keine verpflichtenden Abiturprüfungen stattfinden.

Keine Schulbesuche der Bundeswehr und privater Unternehmen:
Anwerbeaktionen von Armeen und Konzernen haben in der Schule nichts zu suchen!
Schule muss frei von nationalen bzw. staatlichen und wirtschaftlichen Interessen sein.

Die Möglichkeit für Kinder und Jugendliche ohne Aufenthaltsgenehmigung zur Schule zu gehen:
Wir fordern die Abschaffung des Gesetzes, welches die Schulleiter_Innen verpflichtet Kinder und Jugendliche ohne Aufenthaltsgenehmigung den Behörden zu melden.
Des weiteren fordern wir die Schulleiter_Innen diese Meldungen grundsätzlich zu unterlassen.

Kostenloser Kindergarten:
Für viele Eltern hängt die Entscheidung, ob sie ihr Kind in den Kindergarten geben wollen, vom Geld ab.

kostenlose Nahverkehrstickets für Schüler_Innen:
Durch einen kostenlosen Nahvehrkehr haben die Schüler_Innen mehr Möglichkeiten am kulturellen und öffentlichen Leben teilzunehmen.

Selbstverwaltete Räume für Schüler_Innen auch außerhalb der Schulzeit:
Schüler_Innen lernen dadurch Verantwortung zu übernehmen und ihren Alltag selbst zu gestalten. Außerdem können sie kreativ sein und eigene Ideen verwirklichen.
In selbstverwalteten Räumen können die Schüler_innen in guter Atmosphäre selbstbestimmt lernen und sich gegenseitig helfen.

Schluss mit Repressionen gegen Lehrer_Innen und Schüler_Innen:
Freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht. Deshalb fordern wir das Schulamt auf die Repressionen gegen Lehrer_Innen zu unterlassen. Vorstellen könnten wir uns auch die Freistellung der Schüler_Innen und Lehrer_Innen
für Demonstrationen während der Schulzeit.

Flexible Schuleingangsstufe:
Nicht das Kind muss schulfähig, sondern die Schule muss kindfähig sein!

Längerfristig fordern wir:

Eine paritätisch besetzte Schulversammlung:
Diese Schulversammlung besteht aus Schülern_Innen, Eltern, Lehrer_Innen und Angestellten.
Sie entscheidet über alle Angelegenheiten der Schule im Konsensprinzip entscheiden und das Direktorium ersetzen.

Jahrgangsübergreifendes Lernen in kleinen Gruppen:
Schüler_Innen verschiedener Altersstufen können durch den Austausch von Erfahrungen voneinander profitieren.
In diesem Model wäre das Sitzenbleiben unnötig. Der/Die Lehrer_In nimmt hier eine moderierende statt einer autoritären Rolle ein.

Kurssystem mit individueller Förderung statt Haupt-, Realschule und Gymnasium:
Freie Wahl von Kursen mit unterschiedlich hohem Schwierigkeitsgrad.
Das bedeutet eine Abschaffung des viergliedrigen Schulsystems und die Einführung einer Gemeinschaftsschule.

Gemeinsames Lernen bis zur 10. Klasse & kein G8:
Es ist bewiesen, dass sich Menschen unterschiedlich schnell entwickeln, deshalb ist eine Entscheidung, die dein ganzes weiteres Leben bestimmt, nicht so früh möglich.
Außerdem sollte Bildung nicht unter Druck und Konkurrenz, sondern unter angenehmer Atmosphäre stattfinden.

Schriftliches Bewertungssystem:
Die Notengebung ist nicht nachvollziehbar, ungerecht und vor Allem ausschließlich auf das Verwertungssystem des Arbeitsmarktes ausgelegt.
Besser wäre eine schriftliche Bewertung der Lehrer_Innen, die differenzierter ist und auf spezielle Probleme und Fähigkeiten der Schüler_Innen eingehen kann.

Höhere gesellschaftliche Anerkennung von Erzieher_Innen und Lehrer_Innen:
Der Beruf des Erziehers/ der Erzieherin und des Lehrer/ der Lehrerin ist immer noch verpönt. Dabei gehören diese beiden Berufe zu den wichtigsten der Arbeitswelt.
Deshalb: Bessere Bezahlung und Ausbildung für Erzieher_Innen und Lehrer_Innen!

Schüler_Innen mit Handicap integrieren:
Schüler_Innen mit Handicap werden frühzeitig aussortiert, landen in Sonderschulen und haben von da an kaum Chancen am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Dabei profitieren Schüler_Innen mit und ohne Handicap von einander. Deshalb sollten Schulen behindertengerecht ausgebaut werden und Alle zusammen unterrichtet werden.

Gundrecht auf Ausbildung:
Jeder Menschen muss befähigt werden seinen Lebensunterhalt selbst erwirtschaften zu können. Dazu fordern wir ein Recht auf gute Bildung und Ausbildung um jedem ein bestmögliches Auskommen zu ermöglichen.

Nur in Schule und Hochschule haben wir die Möglichkeit ohne große Sachzwänge Alternativen zum Kapitalismus und zum Staat zu denken und zu entwickeln.
Wir wollen nicht, dass unser Leben bloß aus Konsumieren und Geldverdienen besteht. Und wir wollen auch nicht, dass die Bildungseinrichtungen uns nur auf diese beiden Dinge vorbereiten.

SELBSTBESTIMMT LEBEN UND LERNEN!